Zu Beginn der 10. Klasse entschieden wir uns, am individuellen Frankreichaustausch (Brigitte-Sauzay-Programm) mit unserer Partnerschule in Rueil-Malmaison teilzunehmen. Wir waren gespannt auf die Sprache, das Leben in einer französischen Gastfamilie und den Schulalltag in Frankreich.
Vorbereitung und erster Kontakt
Die Organisation verlief insgesamt recht unkompliziert. Zuerst füllten wir Steckbriefe aus, die von Frau Verheyen an die Partnerschule in Rueil-Malmaison, einer Stadt im Westen von Paris, geschickt wurden. Kurz darauf erhielten wir die Steckbriefe der interessierten Franzosen, sodass wir um Weihnachten herum zum ersten Mal mit unseren Austauschpartnern schreiben konnten. So entstand schon vor dem persönlichen Treffen ein erster Kontakt.
Der Besuch in Deutschland
Mitte April war es schließlich so weit: Wir durften unsere Austauschpartner erstmals in Deutschland willkommen heißen. Bis zu den Sommerferien lebten sie in unseren Familien und wurden Teil unseres Alltags.
Zu Beginn waren sowohl wir als auch unsere Austauschpartner verständlicherweise etwas aufgeregt, da das Zusammenleben mit einer zunächst fremden Person eine ganz neue Erfahrung darstellt. Rückblickend erwies sich diese Nervosität jedoch als unbegründet, denn die französischen Schülerinnen und Schüler lebten sich schnell ein und es entstand ein sehr gutes Verhältnis.
Auch außerhalb der Schule verbrachten wir oft Zeit miteinander. An den Wochenenden trafen wir uns regelmäßig, fuhren nach Köln, unternahmen gemeinsam Ausflüge, gingen ins Kino oder spielten draußen Volleyball. Diese gemeinsamen Aktivitäten stärkten nicht nur unsere Freundschaften, sondern ermöglichten auch einen intensiven kulturellen Austausch.
Während ihres Aufenthalts in Deutschland nahmen unsere Austauschpartner am regulären Unterricht teil und besuchten gemeinsam mit uns unsere Klassen. Aufgrund ihrer guten Deutschkenntnisse konnten sie dem Unterricht gut folgen, sich aktiv an Diskussionen beteiligen und teilweise sogar an Tests und Klassenarbeiten teilnehmen.
Rückblickend würden wir sagen, dass der Aufenthalt unserer Austauschpartner für alle Beteiligten eine sehr bereichernde Erfahrung war und gleichzeitig auch eine solide Grundlage für unseren späteren Gegenbesuch in Frankreich schuf.
Unser Aufenthalt in Frankreich
Nach den Sommerferien ging es schließlich für uns nach Frankreich. Wir wurden alle herzlich von unseren Gastfamilien empfangen und konnten zunächst noch die letzten Ferientage genießen und nutzen, um uns einzuleben und die Umgebung kennenzulernen. Anfang September starteten wir dann gemeinsam mit unseren Austauschpartnern in das neue Schuljahr am Lycée Richelieu.
Anfangs kamen uns die Schultage und Unterrichtsstunden relativ lang vor, doch wir gewöhnten uns schon nach kurzer Zeit an den französischen Schulalltag. Besonders ungewohnt war es, dem Unterricht in Fächern wie Geschichte zu folgen, in denen die Lehrer oft längere Vorträge hielten, doch nach etwa einem Monat konnten wir dem Unterricht jedoch deutlich besser folgen und uns auch aktiv beteiligen.
Der Unterricht in Frankreich ist insgesamt etwas anders aufgebaut als in Deutschland. Gruppenarbeiten, Projekte oder Präsentationen sind seltener; stattdessen ist der Unterricht stärker lehrerzentriert. Als Austauschschüler durften wir außerdem an mehreren kleineren Tests teilnehmen, die jedoch glücklicherweise meist nicht bewertet wurden.
Mittags ging es in die Kantine. Dort konnte man zwischen einem Fleisch-, Fisch- oder vegetarischen Gericht wählen, und ein Dessert gehörte immer dazu. In der Mittagspause hatten wir ausreichend Zeit, uns auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen, bevor es anschließend wieder in den Unterricht ging.
Jeden Mittwoch entfällt in Frankreich der Nachmittagsunterricht. Diese freie Zeit nutzten wir, um Paris oder Rueil auch unter der Woche zu erkunden. Im September, als das Wetter noch sehr schön war, entdeckten wir Paris viel zu Fuß. Wir spazierten an der Seine entlang oder schlenderten durch verschiedenste Viertel und bekamen so einen intensiven Eindruck vom besonderen Flair der Stadt.
Wir waren nahezu jedes Wochenende und jeden Mittwoch unterwegs. Dabei besichtigten wir wahrscheinlich alle Sehenswürdigkeiten, die es dort gibt, sowie bekannte Museen und Orte, die uns empfohlen wurden. Besonders beeindruckend war der Blick von Sacré-Coeur über die Dächer von Paris und wir lernten, uns in Paris mit Metro, RER und Bus zurechtzufinden. Das machte großen Spaß und wir fühlten uns fast schon wie echte Pariserinnen. Diese besonderen Momente machten unseren Austausch für uns so außergewöhnlich und unvergesslich.
Wir sind sehr stolz darauf, gelernt zu haben, uns in einer Stadt wie Paris zurechtzufinden und die öffentlichen Verkehrsmittel problemlos zu nutzen. In Rueil kennen wir uns inzwischen ebenfalls sehr gut aus. Dort besuchte ich mit meinen Gastgeschwistern zum Beispiel das Château de Malmaison, das ehemalige Schloss von Joséphine de Beauharnais, der Ehefrau von Napoleon I. und in der Normandie das Mémorial de Caen sowie das Museum D-Day Experience, was ich unglaublich interessant fand.
Ein persönliches Highlight war, dass wir in der Bretagne einen Freund meines Gastvaters trafen, der Pilot ist. Da ich selbst Pilotin werden möchte, konnte ich ihm schon mal viele Fragen stellen. Das war unglaublich spannend und hat mir viele neue Einblicke und Motivation für meine Zukunft gegeben.
Während unseres Austausches hatten wir außerdem die Möglichkeit, die Herbstferien zu nutzen, um gemeinsam mit unseren Gastfamilien zu verreisen. Mila besuchte Italien und erkundete Neapel, Katharina und Marie-Lu unternahmen Reisen innerhalb Frankreichs, beispielsweise zum Mont Saint-Michel, nach Bordeaux, in die Bretagne und in die Normandie. Marie-Lu nahm sogar mit ihrer Gastfamilie an einer Hochzeit teil. Solche Erlebnisse boten uns noch einmal ganz andere Einblicke in das Land und seine Kultur und machten die Austauschzeit besonders vielseitig.
Warum wir den Austausch empfehlen können
Natürlich gab es auch kleine Herausforderungen, zum Beispiel die anfängliche Sprachunsicherheit. Diese legte sich jedoch mit der Zeit.
Insgesamt können wir den Schüleraustausch definitiv weiterempfehlen, denn die vielen positiven Erfahrungen haben unsere anfängliche Unsicherheit schnell übertroffen.
Zum einen haben sich unsere Französischkenntnisse spürbar verbessert, zum anderen konnten wir eine neue Kultur kennenlernen. Darüber hinaus lernten wir, uns anzupassen, Verantwortung zu übernehmen, selbstständiger zu werden und offen auf andere Menschen zuzugehen.
Wir haben neue Freundschaften mit den Franzosen geschlossen, die hoffentlich noch lange bestehen bleiben. Gleichzeitig haben auch wir drei uns untereinander noch besser kennengelernt und sind heute enger befreundet als zuvor. Der Austausch war für uns eine einmalige Erfahrung – nicht nur eine sprachliche Bereicherung, sondern auch eine ganz persönliche Entwicklung, durch die wir unseren Horizont erweitert haben.
Abschließend können wir sagen, dass uns diese Zeit vielfältige Einblicke in Sprache, Kultur und Schulalltag ermöglicht hat. Wir sind überzeugt, dass uns diese Zeit individuell bereichert und geprägt hat und sind sehr froh, diese Chance genutzt zu haben!
Marie-Luisa Asarpad, Katharina Breuninger, Mila Sedlaczek (EF)
