Wie gehen wir heute mit der Geschichte des Imperialismus um? Dieser Frage ging am 25. März 2026 der bilinguale Geschichtskurs der Q1 von Frau Ruhland nach. Nachdem wir uns schon detailliert mit dem Thema der Kolonialherrschaft beschäftigt hatten, führte uns eine Exkursion in das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln. Dort besuchten wir unter anderem die aktuelle Ausstellung „I MISS YOU“, die sich mit den weltberühmten Benin-Bronzen befasst.
Schon zu Beginn der Führung wurde klar, dass es hier um mehr geht als nur alte Ausstellungsstücke. Besonders interessant war der Satz „Wir lernen immer mehr, wie wenig wir wissen“, da er uns sofort mit der Tatsache konfrontierte, dass unsere europäische Sicht auf die Geschichte Afrikas unvollständig oder sogar falsch ist. Ein entscheidender Punkt der Führung war der Einfluss der Europäer auf die gesellschaftlichen und sozialen Strukturen in Afrika. Ein Beispiel, das uns vor allem überraschte: In einigen vorkolonialen Gesellschaften Afrikas spielte die Sortierung nach Geschlecht keine Rolle. Erst durch die europäischen Vorstellungen wurden diese Rollenbilder erstellt und dann verfestigt.
Im Zentrum standen allerdings die 92 Benin-Bronzen, welche im Museum ausgestellt waren. Diese Skulpturen und Kunstwerke wurden bei einer sogenannten „Strafexpedition“ britischer Truppen im Jahr 1897 aus dem Palast des Oba (des Königs) von Benin geraubt und später über ganz Europa verteilt. So gelangten die Bronzen eben auch nach Köln.
Offiziell wurden die Eigentumsrechte der Bronzen 2022 schon an den Staat Nigeria (in welchem das Königreich Benin heute liegt) übertragen, nur wo sie später ausgestellt werden, wenn sie offiziell zurückgefordert werden, ist noch unklar. Es gibt unterschiedliche Interessen der nigerianischen Regierung und des heutigen Oba von Benin. Der Oba beansprucht die Bronzen als persönliches Eigentum seiner Vorfahren und möchte selbst die Kontrolle über deren Aufenthaltsort und ein geplantes Museum behalten. Dies zeigt, dass die Debatte der Rückgabe nicht allzu einfach zu lösen ist, da sie tief in der lokalen Politik eingebunden ist.
So hat uns die Führung gezeigt, dass Geschichte – auch wenn sie schon so lange zurückliegt – nicht abgeschlossen ist, das Thema des Imperialismus sowie die kritische Auseinandersetzung damit also nach wie vor von Relevanz sind.
Philipp Schmaul (Q1)






