Vom 05.07. bis 12.07.2026 fand die Gedenkstättenfahrt der Stufe 9 nach Krakau und Auschwitz statt. Im Folgenden erfahrt ihr, wie es war und warum die Fahrt so wichtig und interessant ist.
Unsere Reise begann mit einer ca. 13-stündigen Zugfahrt nach Krakau zu unserer Unterkunft, dem Jugendhotel Nawojka. Am zweiten Reisetag, Montag, ließen wir uns durch verschiedene Stadtteile Krakaus, u.a. das historische jüdische Viertel Kazimierz, führen (siehe Gruppenfoto). Wir besuchten verschiedene Drehorte des Films “Schindlers Liste”, z.B. die ehemalige Hauptwohnung Schindlers in Krakau. Außerdem kamen wir an einem Universitätsgebäude vorbei, in dem die Nazis viele polnische Professoren bei einer Vorlesung verhaften ließen. Ein weiterer Halt war die Remuh-Synagoge, neben der sich auch ein jüdischer Friedhof aus dem 16. Jahrhundert befindet, den wir ebenfalls besucht haben. Nach dieser Führung durften wir uns in Gruppen von mindestens drei Leuten frei in Krakau bewegen und z.B. einkaufen gehen, eine Stadtrallye machen, bummeln oder einfach ins Hotel zurückfahren.
Am Dienstag fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Bus ins Stammlager von Auschwitz oder auch Auschwitz I genannt. Es wurde 1940 als erster Teil des Konzentrationslagers Auschwitz errichtet. Die Anlage umfasste später 28 Blöcke, in denen zwischen 12.000 und 20.000 Menschen unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten, zur Zwangsarbeit gezwungen und ermordet wurden. In Auschwitz I wurde erstmals das Giftgas Zyklon B für den Massenmord eingesetzt. Unsere Tour begann beim Eingangstor mit der bekannten Aufschrift „Arbeit macht frei”. Diese Aufschrift ist sehr zynisch, da die Arbeit im Stammlager unter unmenschlichen Bedingungen viele Menschen das Leben kostete, jedoch findet sich darin auch ein Zeichen des Widerstands, denn das „B” wurde aus Protest von den Arbeitern falsch herum angebracht. Bei dem Stammlager handelt es sich heute um ein Museum, in dem es viele spannende und beeindruckende Dinge zu sehen gibt. Als am eindrücklichsten wird von vielen z.B. der Raum beschrieben, in dem sich abgeschnittene Haare von Häftlingen bis zur Decke stapeln. Einen ähnlichen Raum gibt es mit Häftlingsschuhen/-koffern oder mit einem Container voll mit Pfannen und Töpfen der Häftlinge. Außerdem waren in einem der Museumshäuser aus Draht gebaute Puppen ausgestellt, die Häftlingskleidung trugen. Diese Puppen haben das Leiden der Häftlinge greifbarer gemacht. Wir waren auch in den Gefängnissen, in denen Menschen z.B. in den Hungertod getrieben wurden oder andere Strafen absitzen mussten. Danach gingen wir zur Todeswand, das ist ein Ort zwischen Block 10 und 11. Dort mussten sich Häftlinge ausziehen und dann an die Wand stellen, um sich erschießen zu lassen. So starben ca. 3.000-5.000 Häftlinge. Gegen Ende der Führung kamen wir in der israelischen Ausstellung in den Raum mit dem riesigen „Buch der Namen“, in dem die Namen von Holocaust-Opfern verzeichnet sind. Das Buch war mehrere Meter lang, so dass man um es herum gehen und z.B. nach Namen von Verwandten suchen konnte. Wir fanden u.a. den Namen „Theodor Meyer“, dessen Neffe uns in der AG zur Vorbereitung der Fahrt besucht und vom Schicksal eines Onkels berichtet hatte. Abschließend waren wir in der letzten Gaskammer Auschwitz‘, die noch erhalten ist und die zugleich die erste Gaskammer war, in der Zyklon B verwendet wurde. Dieses Gas führte zur Vernichtung von mehr als einer Millionen Menschen. Der Besuch im Stammlager hat die hohen Opferzahlen z.B. durch die Haare viel besser greifbar gemacht. Außerdem wurde so auch noch einmal deutlich, wie schlimm die Lebensbedingungen in den Konzentrationslagern wirklich waren.
Nach dem Besuch im Stammlager nahmen wir noch an einem Workshop zum Thema “Kinder in Auschwitz” teil, in welchem wir uns mit den Bedingungen und Schwierigkeiten im Lagerleben für Kinder auseinandersetzten. Im Zuge dessen beschäftigten wir uns arbeitsteilig in Gruppen mit einzelnen Aspekten, die wir uns anschließend gegenseitig präsentierten.
Mittwochs sind wir nach dem Frühstück wieder mit dem Bus nach Auschwitz-Birkenau gefahren und wurden über das Gelände geführt. Der zweite Teil des KZ Auschwitz, Auschwitz-Birkenau, wurde im Herbst 1941 errichtet und nahm ab März 1942 den Betrieb auf. Damit begann die systematische Vernichtung von Menschen. Die Gaskammern und Krematorien wurden zwischen 1943 und 1944 schrittweise fertiggestellt. Unsere erste Station bei der Führung war eine Karte, an der erklärt wurde, wie das KZ aufgebaut war. Danach ging es zu der Rampe, an der die Züge mit den deportierten Personen ankamen. Die Zahl der Deportierten schwankte stark, während der sogenannten „Ungarn-Aktion” im Sommer 1944 kamen sogar bis zu 10.000 oder 12.000 Menschen täglich, obwohl man nur ca. 6.000 pro Tag selektieren, d.h. nach arbeitsfähig oder nicht aufteilen, und registrieren konnte. Insgesamt wurden ca. 1,3 Millionen Menschen in den ganzen Komplex Auschwitz, zu dem auch viele Außenlager z.B. an Fabriken oder Steinbrüchen gehörten, deportiert, davon wurden 1,1 Millionen ermordet. Anschließend gingen wir zu den Überresten der gesprengten Gaskammern, neben denen heute ein Denkmal steht, das aus Skulpturen, die man unterschiedlich interpretieren kann, und Gedenksteinen in vielen Sprachen besteht.
Danach konnten wir in einem Raum private Fotos aus Fotoalben der Häftlinge sehen, die diese in ihrem Gepäck hatten und die nach der Befreiung des KZs gefunden wurden. Sie verdeutlichten uns, welche persönlichen Schicksale mit dem Holocaust verbunden waren. Nach dem Blick auf das sogenannte Kanada, wo die Bedingungen viel besser waren als im Rest des Lagers, weil dort das Gepäck der Ankommenden sortiert wurde, setzten wir die Führung fort. Wir liefen durch den Teil, wo Sinti und Roma, die eine große ethnische Minderheit in Europa sind und ursprünglich aus Pakistan und dem Nordwesten Indiens stammen, untergebracht waren. Als Nächstes konnten wir in eine Baracke schauen, in der früher Kinder untergebracht waren. Im ganzen Lager schliefen die Menschen auf Holzpritschen mit vier bis sieben Häftlingen – manchmal sogar mit bis zu fünfzehn – auf einer von drei Ebenen. Die hygienischen Zustände waren unmenschlich, viele starben an Krankheiten und Schwäche. Andere Häftlinge wurden wahllos erschossen, starben bei medizinischen Experimenten oder in den Gaskammern. Zum Schluss konnten wir dann noch in zwei Holzbaracken schauen. In einer befanden sich dicht nebeneinander die Latrinen, in der anderen standen Pritschen. Die Gedenkstätte wirkte aufgrund von vielen Bäumen und Wiesen mit Blumen etwas idyllisch, fast wie ein Park, weshalb es einigen in der kurzen Zeit schwerfiel zu realisieren, was an diesem Ort geschehen ist und wie grausam es dort war.
Am Nachmittag fuhren wir mit dem Bus nach Harmęże, wo sich die Ausstellung „Bilder im Kopf“ des ehemaligen KZ-Häftlings und Künstlers Marian Kolodziej befindet. Dort sind ca. 260 Bilder ausgestellt, die magere sowie ausgezehrte Körper zeigen und an denen uns klar wurde, wie traumatisierend, grausam und unmenschlich die Zeit in einem Konzentrationslager gewesen sein muss. Ein solches Ereignis prägt Menschen und auch die Zeit danach sehr.
Am nächsten Tag fand eine zweistündige Führung durch das ehemalige jüdische Ghetto Podgórze in Krakau statt, bei der es um den generellen Aufbau, aber auch um persönliche Geschichten ging. Die hygienischen Zustände im Ghetto waren sehr schlecht, es war überfüllt und es gab wenig Nahrung. Besonders interessant fanden wir die Story über die leeren Stühle auf dem Platz der Ghettohelden (polnisch: Plac Bohaterów Getta), die ein Mahnmal für den Verlust, die Einsamkeit und das Fehlen eines Großteils der jüdischen Bevölkerung sind. Dieses besteht aus 68 bis 70 Stühlen, die für die ca. 68.000 Juden in Krakau vor dem Krieg stehen. Unser Guide sagte, sie zähle immer 69 Stühle, es seien also genau 68 bis 70.
Nachdem sich alle etwas zum Essen gekauft hatten, wurden wir durch Oskar Schindlers Emaillewarenfabrik geführt, in der heute ein Museum über die Zeit in Polen kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs erzählt. Dabei sprachen wir auch nochmal über Oskar Schindler und andere Personen, die Juden halfen, zu überleben. Die Ausstellung war abwechslungsreich gestaltet, es gab z.B. ein Bahnhofswartezimmer und ein nachgestelltes Stück der ehemaligen Ghettomauer.
Freitags traten wir nach dem Frühstück im Hotel gegen neun Uhr die Rückfahrt an. Mit etwas Verspätung kamen wir dann nachts gegen 0:40 Uhr wieder am Kölner Hauptbahnhof an. Der Aufenthalt in Polen war sehr interessant und wir fanden auch Zeit, um z.B. im nahegelegenen Park Fußball zu spielen, einen Film zu schauen oder uns einfach auszuruhen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Frau Ruhland und Herrn Arntz, die die Fahrt organisiert und begleitet haben.
Abschießend lässt sich festhalten, dass die Gedenkstättenfahrt eine Fahrt ist, die zum Nachdenken anregt und dazu beiträgt, dass der Holocaust und dessen Opfer nicht vergessen werden und alle Menschen verantwortungsbewusst damit umgehen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Antisemitismus, Rassismus und Anfeindungen zunehmen, ist es wichtig, dass wir aus der Vergangenheit lernen und als Gesellschaft zusammenhalten. So etwas darf nie wieder passieren, da waren sich alle einig.
Text: Paula Hoppe, Niklas Junker (9c)
Fotos: Niklas Junker, Anna Ruhland














