Fit in zwei Fremdsprachen
BILDUNG. Das Bensberger Albertus-Magnus-Gymnasium ist als Certi-Lingua-Schule anerkannt worden. Schüler können ein zusätzliches Sprach-Zertifikat erwerben, das ihnen den Zugang zu internationalen Studiengängen erleichtern soll.
VON STEPHANIE PEINE
BERGISCH GLADBACH – „Es ist ein Schritt in Richtung Weltbürger.“ Iris Faßbender, Lehrerin am Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) in Bensberg, freut sich, dass ihre Schule nun offiziell als Certi-Lingua-Schule anerkannt ist. Die Auszeichnung erhalten nur ausgewählte Einrichtungen, die damit berechtigt sind, ein Exzellenz-Label, also ein Etikett, für mehrsprachige, europäische und internationale Kompetenzen zu vergeben. In Bergisch Gladbach war bislang nur das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium als Certi-Lingua-Schule zertifiziert.
Profil ergänzen“
Schulleiterin Cornelia Sanio
Das Label ist eine Zusatzqualifikation, das die Mehrsprachigkeit eines Schülers auf hohem Niveau belegt. Certi-Lingua ist ein europäisches Projekt. Das Exzellenzlabel wurde vom Land Nordrhein-Westfalen und weiteren Bundesländern sowie acht europäischen Staaten entwickelt und erprobt. Es steht allen Schulen mit internationalem Profil offen. Das Gütesiegel, das mit dem Abiturzeugnis vergeben wird, soll den Absolventen den Zugang zu international orientierten Studiengängen und zu Hochschulen im Ausland erleichtern sowie die Türen international tätiger Firmen öffnen.
Vergabekriterien sind die Beherrschung von zwei modernen Fremdsprachen auf hohem Niveau, bilingualer Unterricht in mindestens einem Sachfach wie etwa Erdkunde oder Geschichte sowie vertiefte Kenntnisse über Europa. Zudem treten die Schüler einen längeren Auslandsaufenthalt an und dokumentieren die dort gesammelten Erfahrungen in einem fremdsprachlichen Abschlussbericht.
„Wir wollten das sprachliche Profil der Schule ergänzen und haben geschaut, was wir den Schülern als zusätzliche Qualifikation mitgeben können“, erklärte Schulleiterin Cornelia Sanio die Bewerbung um die Zertifizierung. Als Gymnasium mit bilingual-englischem Zweig habe sich Certi-Lingua angeboten. Die Vorbereitung des Projektes lag in den Händen der beiden Englisch-Lehrerinnen Iris Faßbender und Ebrusu Bakar. Zehn bis 15 Schüler haben seit Zertifikatsvergabe im November bereits Interesse an dem neuen Gütesiegel gezeigt.
Hoher Schwierigkeitsgrad
„Das Niveau ist ziemlich hoch“, schätzt Bakar den Schwierigkeitsgrad für die Schüler ein. Zwei, die das nicht schreckt, sitzen ihr gleich gegenüber: Melike Nurdogan und Felice Tavera reizt die Chance, mit der Zusatzqualifikation später punkten zu können. „Ich überlege, in England oder in den Niederlanden zu studieren, das verbessert meine Chancen“, sagt Melike Nurdogan. Einen ersten Vorgeschmack auf das Leben im Ausland erhielt sie bereits. Ein Jahr lang besuchte die 18-Jährige ein Internat in England. Felice Tavera (17) ging für ein halbes Jahr nach Argentinien, will aber nach dem Abitur nicht dort studieren.
Die Erfahrungen der beiden fließen ein in eine Dokumentation. Melike Nurdogan wird sich dabei mit dem „doppelten Migrationshintergrund“ befassen. „Als türkischstämmige Schülerin aus Deutschland habe ich in England mit Vorurteilen gespielt“, berichtet sie. Ihre Mitschülerinnen seien aber sehr unvoreingenommen gewesen. „Ich war die einzige mit türkischen Wurzeln dort und viele wussten nicht einmal, wo die Türkei liegt.“ Und Felice Tavera bilanziert: „Für mich ist der Auslandsaufenthalt weit mehr als das oft so genannte ,schönste Jahr meines Lebens‘.“
Kölner Stadt-Anzeiger, 16.01.2012 – Online-Version
