Gedenkstättenfahrt 2022 nach Auschwitz: Das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte

Monika Goldwasser

Im Rahmen der diesjährigen Gedenkstättenfahrt flogen wir, 24 Schülerinnen und Schüler aus den Stufen 9, EF und Q1 unter Leitung von Frau Kehl und Begleitung von Herrn Dattko, vom 12.06. bis zum 17.06. 22 nach Krakau, um das größte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, das KZ Auschwitz Birkenau und dessen Stammlager, zu besichtigen.

Als wir am Sonntagabend gegen 20 Uhr am Flughafen in Krakau eintrafen, haben wir auf dem Weg zu unserem Hostel einen kurzen Rundgang durch die historische Altstadt von Krakau unternommen. Am nächsten Tag begann dann das eigentliche Programm. In einem vierstündigen Stadtrundgang durch das jüdische Viertel in Krakau besichtigten wir die „alte Synagoge“, welche heute ein jüdisches Museum beherbergt. Wie man aus dem Namen herleiten kann, handelt es sich hierbei um die älteste erhaltene Synagoge in Polen. Des Weiteren erfuhren wir viel über das Leben der jüdischen Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus: Helena Rubinstein war beispielsweise eine jüdische Auswanderin aus Polen, die eine Kosmetikfirma in Australien gründete. Sie entwickelte sich nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten zu einer erfolgreichen Unternehmerin, deren Vermögen auf 100 Millionen US-Dollar geschätzt wurde. Noch heute existiert die Marke „Rubinstein“ im hochpreisigen Bereich der Kosmetik. Am Nachmittag haben wir im Rahmen einer Stadtrallye durch Krakau weitere Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das Königsschloss auf dem Wawel und einige Kathedralen entdeckt.

Am nächsten Tag besuchten wir die Ausstellung des jüdischen Museum Galicia und im Anschluss daran, hatten wir die Gelegenheit, die Zeitzeugin Monika Goldwasser zu treffen.

Als sie 1941 in Polen geboren wurde, entschieden ihre Eltern, sie in eine polnische Familie zu geben, um sie vor dem nationalsozialistischen Regime zu bewahren. Im Alter von 22 Jahren erfuhr sie von ihrer jüdischen Herkunft. Zunächst hat sie ihre jüdische Herkunft geheim gehalten, bis sie 1990 erfährt, dass ihre Tante nach ihr sucht. Es war eine einmalige Gelegenheit, ihre Lebensgeschichte aus ihrer Sicht geschildert zu bekommen und Fragen stellen zu können.

Am Nachmittag hatten wir eine Führung im Schindlermuseum unternommen, wobei wir ebenfalls vieles über das Leben im jüdischen Ghetto erfuhren.

Am vorletzten Programmtag haben wir das Stammlager Auschwitz I besucht und dort eine vierstündige Führung gehabt. Es war ein bedrückendes Gefühl, die Ortschaften, an denen die grausamen Taten begangen wurden, in Realität zu sehen. Unter dem Vorwand „Arbeit macht frei“ wurde die „Endlösung“, die Zwangsarbeit und Vergasung der Häftlinge, durchgeführt und begründet. Es ist unvorstellbar, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Die Zahl der ermordeten Häftlinge ist so immens groß, dass bis heute noch nicht alle Opfer identifiziert und aufgeschrieben werden konnten. Die grausamen Taten der Nationalsozialisten lassen sich in diesem Artikel nicht alle aufzählen. Eine der schrecklichsten Taten wurden meiner Meinung nach von den SS-Ärzten, u.a. von Dr. Josef Mengele begangen: Diese führten unvorstellbare Experimente an Menschen unter extremen Bedingungen durch. Negativ überrascht hat mich auch die Tatsache, dass die meisten Verbrecher keine angebrachten Bestrafungen bekommen haben. Im Anschluss daran haben wir noch durch einen interessanten Workshop Fluchten aus dem KZ vertieft.

Am letzten Programmtag haben wir nach einer Führung durch die Ortschaft Oświęcim (Auschwitz) das Vernichtungslager Birkenau besichtigt. Diese Führung hat meine vorhin angesprochenen Punkte noch einmal übertroffen: Es ist schockierend, die Hygienezustände zu sehen, denen die Häftlinge gnadenlos ausgesetzt waren. Die Lebensumstände in der damaligen Zeit sind so schrecklich, dass es einem schwerfällt sich in die damalige Situation der Häftlinge hineinzuversetzen. Ein Blick auf die von den Nazis zerstörten Krematorien (um Beweismittel zu vernichten) unterstreicht noch einmal, wie unmenschlich diese agierten. Den Ausklang der Fahrt haben wir am letzten Abend durch ein gemeinsames Abendessen vorgenommen.

Sicherlich können alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, einschließlich mir, etwas von dieser Fahrt für das Leben mitnehmen. Fest steht: Das, was damals passiert ist, darf sich unter keinen Umständen in unserer Gegenwart wiederholen. Man sieht jedoch bereits jetzt unvermeidliche Parallelen, sei es in der Politik und/oder dem Krieg in der Ukraine. Wichtig ist, dass man die Fehler aus der Vergangenheit in der Gegenwart repräsentiert, da diese über die Zukunft entscheidet – und das ist bei unserer Fahrt mehr als gelungen.

Instagram: amg_auschwitzfahrt_22

Thies Schönemann (9b)