Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen? Ein Vortrag am AMG

Tony Stark’s J.A.R.V.I.S., Captain Picard’s Data, zumindest in Filmen sind Künstliche Intelligenzen (KI) allgegenwärtig. Doch auch in unserer Welt gibt es KIs. Natürlich können sie keine Raumschiffe oder Superheldenanzüge steuern. Leider. Doch Alexa, Siri und Co. können auch einiges, das Smarthome bedienen zum Beispiel, was eine Erleichterung des Alltags ist (von der Frage, ob man das wirklich braucht, mal abgesehen). Doch wenn KIs Waffensysteme steuern und Atomraketen abschießen, sind sie natürlich böse. Ist Künstliche Intelligenz also nun gut oder böse? Fluch oder Segen?

Darüber hielt Claudia Nemat am 30.01.2019 in der Aula des AMGs vor ca. 120 interessierten Zuhörern / Zuhörerinnen einen Vortrag. Claudia Nemat (51) ist Vorstandsmitglied der deutschen Telekom, zuständig für Technologie und Innovation und war von 1979 bis 1988 Schülerin am AMG. Sie hat Physik und Mathematik studiert und lebte einige Zeit in den USA.

Frau Nemat begann ihren Vortrag damit, einige Beispiele für KI im Alltag zu nennen, allen voran ein Projekt der Telekom, bei dem Beethovens 10. Sinfonie vollendet werden sollte. Dazu erklärte sie, nicht ohne Stolz, hätte man mit Musikexperten und KI-Experten aus der ganzen Welt zusammengearbeitet. Die so vollendete Sinfonie soll am 28. April in Bonn im Rahmen des Beethovenjahres uraufgeführt werden. Danach erläuterte sie, dass wir heute nur über sogenannte „schwache KIs“ verfügen, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht in der Lage sind, Wissen oder Können von einem auf den anderen Kontext zu übertragen, unter Unsicherheit zu entscheiden oder sich selbst zu reflektieren. Somit sind sie also noch nicht in der Lage, ein eigenständiges Bewusstsein zu entwickeln und, wie in zahlreichen Filmen dargestellt, zu versuchen, die Menschheit auszurotten, woraufhin wir einen mutigen Helden bräuchten. Stattdessen kann sie nur das, was ihr aufgetragen wird. Damit waren wir dann auch schon bei der Frage, ob sie denn nun gut oder böse ist. Frau Nemat führte auch dafür einige Beispiele aus dem Alltag an, wie künstliche Intelligenzen bei der Krebserkennung helfen, wie sie aber auch in China Gesichtserkennungssysteme steuern und die Menschen in ihrer Freiheit beschränken.

Anschließend stellte sich Frau Nemat den Fragen des Publikums und diskutierte mit ihnen über verschiedene Aspekte der Digitalisierung, auch an den Schulen. (Sie war sehr enttäuscht, dass wir keinen Informatikunterricht in der Oberstufe anbieten).

Zwar gab es am Ende keine klare Aussage, wie KIs nun einzuordnen sind, doch es lässt sich abschließend sagen, dass sie in erster Linie ein Werkzeug sind, das man zu guten wie zu schlechten Zwecken einsetzen kann. Oder, wie Frau Nemat es ausdrückte: „Es gibt kaum eine Technologie, die ihren Schöpfer so widerspiegelt wie künstliche Intelligenz.“ Es kommt halt auf den Menschen dahinter an.

Janek Stockhaus (9d)

(Fotos: Oskar Gebel (Q2) & for)