Von Goldfischen und Piranhas

Ein Besuch der Lit.Cologne

„It’s a writer’s job to please the readers”, davon ist der englische Autor David Almond überzeugt. Und dieses Ziel hat er auf seiner Lesung auf der Lit.Cologne am 13. März auch erreicht! Der bilinguale Englischkurs der EF von Frau Ruhland war dabei, als der Schriftsteller im „Comedia Theater“ am Chlodwigplatz aus seinem Buch „The Boy who swam with Piranhas“ (oder auch deutsch „Der Junge, der mit Piranhas schwamm“) las.

Da der Autor, dessen Lesung wir eigentlich besuchen wollten, kurzfristig abgesagt hatte, gingen wir auf diese eigentlich für Achtklässler vorgesehene Veranstaltung. Moderiert wurde die Lesung von David Fermer, der ebenfalls Engländer ist, aber schon seit mehreren Jahren in Deutschland lebt und fehlerfreies Deutsch mit einem charmanten britischen Akzent sprach. Er stellte uns den Autor vor, interviewte ihn und übersetzte Teile der Antworten ins Deutsche.

Das vorgestellte Buch ist ein Kinderbuch. Es spielt in den 80er Jahren im Norden Englands. Die Hauptfigur, Stanley Potts, lebt bei Onkel und Tante. Eigentlich fühlt er sich sehr wohl, bis der Onkel eine Fischverarbeitungsfabrik eröffnet und das gesamte Haus voller Maschinen steht, die Fische ausnehmen und köpfen. Als Stanley beim Entchenangeln auf dem Jahrmarkt 13 Goldfische rettet und diese aber später vom Onkel für Experimente genutzt werden und somit sterben, läuft Stanley von zuhause weg und schließt sich einem Jahrmarkt an. Dort trifft er irgendwann auf einen Künstler, der berühmt dafür ist in einem Becken voller Piranhas zu schwimmen.

David Almond ist in England sowohl ein sehr bekannter Kinder- als auch Erwachsenenbuchautor. Geboren und aufgewachsen ist er im Norden Englands in Newcastle, wo auch das Buch spielt. Der Durchbruch gelang ihm 1998 mit dem Roman „Skelling“, der international sehr erfolgreich war und auch verfilmt wurde. Es war bereits sein zweiter Besuch auf der Lit.Cologne, das letzte Mal war er mit seinem Buch „Mina“ in Köln. In Großbritannien zählt er zu den Top 5 der Kinder- und Jugendbuchautoren, hat bereits 15 Bücher veröffentlicht. Der Prozess ein Buch zu schreiben dauert bei ihm ca. ein Jahr. Er hat ein Scrapbook, eine großes Notizheft, in das er Ideen einträgt. Sobald er genug Ideen gesammelt hat, beginnt er zu schreiben. In all seinen Hauptfiguren finden sich Teile von ihm selber und seine Geschichten sind inspiriert von Situationen aus seinem Leben und dem seiner 16jährigen Tochter.

Bei der Lesung wurden drei Textausschnitte vorgelesen. Während David Almond las, wurde via Beamer der Text mit Vokabelhilfen an eine Leinwand projiziert. Für uns wäre das nicht nötig gewesen, aber gestört hat es auch nicht. Zwischen den Passagen stellte David Fermer Fragen zum Buch und dem Leben als Autor, die David Almond sehr freundlich beantwortete. Zum Schluss hatten wir als Publikum noch die Chance, Fragen vom Autor beantwortet zu bekommen. Wir erfuhren, dass ihm die Idee mit den Piranhas in Rom gekommen war, wo er mit seiner Tochter eine Zirkusvorstellung besucht hatte, bei der einer der Artisten in einem Piranha-Becken geschwommen war. „Der Trick ist“, sagte er, „die Piranhas vorher satt zu machen.“ Er erzählte außerdem, dass er sich nichts Schöneres vorstellen könne als Autor zu sein. „It´s a beautiful thing to take words and ideas and make them a story“. An Kinderbüchern mag er besonders, dass man ganz neue und fantasievolle Welten erschaffen kann. Er verfolgt keine pädagogischen Ziele, sondern möchte mit seinen Büchern einfach gute Geschichten erzählen und seine Leser glücklich machen. Außerdem ist er überzeugt, dass sein Schreibstil besser geworden ist, seitdem er Geschichten für Kinder schreibt. Auf die Frage hin, wie lange er noch Bücher schreiben wolle, antwortete er: „I will still be writing when I die“.

Uns allen hat die Lesung sehr gut gefallen, obwohl das Buch eher nicht unserer Altersklasse entsprach. Dafür war das, was der Autor erzählt hat, umso interessanter. Man konnte Einblicke in die Entstehung von Büchern und Geschichten und das Leben eines Autors gewinnen, was eine ganz neue Perspektive ermöglicht. Auch einem Muttersprachler auf Englisch zuzuhören war eine gute Erfahrung. Es hat sich also sehr gelohnt, dass wir diesen Ausflug gemacht haben und ich kann es nur empfehlen eine solche Erfahrung selber einmal zu machen.

Carlotta Grünjes (EF)