Konzertbericht über das Solistenkonzert (17.11.2011)

Es war Freitag, eine knappe Woche vor dem für’s Solistenkonzert angesetzten Termin, als ich, nichtsahnend meine Pause genießend, angesprochen und mit einiger Dringlichkeit ermuntert wurde, beim Solistenkonzert vorzuspielen. Überrascht stellte ich bald darauf fest, dass – im Gegensatz zu den letzten Malen – nur drei Anmeldungen für das sonst so beliebte Konzert vorlagen. Doch offensichtlich gelang es Herrn Burger in dieser Woche noch mit Mühe und Not einige Musiker aus ihren Löchern zu locken, sodass das Konzert nach allem Bangen doch stattfinden konnte.

Natürlich stellt sich die Frage, was der Grund für den plötzlichen Rückgang an Begeisterung von Schülerseite sein mag. Besonders auffällig war dieser in den unteren Stufen. Der sonst stets immense Ansturm war dieses Mal stark dezimiert worden. Ein Gefälle von mehr als 90 Prozent.

Es fand sich also aus den Stufen 5 bis 9 genau ein Schüler, der bereit war, sein Können zu präsentieren. Dieser jedoch tat es mit Bravour. Christopher Schade aus der 6. Klasse bestach wieder einmal durch virtuoses Marimbaphonspiel und erstaunliche Gelassenheit. Auf seinem eigenwilligen Instrument, welches der Familie der Xylophone entstammt, ließ er surreale Melodien auf und ab schweben und meisterte dabei die dynamischen Kontraste gekonnt.

Es folgte ein Sprung durch die Jahrgangsstufen und als nächstes wagten sich Maja Bullock aus der EF und Andreas Dähne aus der Q1 nach vorn. In der ungewöhnlichen Zusammenstellung von Kontrabass und Gitarre präsentierten sie zwei Stücke. Beim Ersten stand Majas Kontrabassspiel im Vordergrund, welches mit der dezenten Begleitung der Akustikgitarre zu einem dunklen, sanften Klang verschmolz. Dahingegen griff beim Zweiten Andreas zur E-Gitarre und ließ deren facettenreichen Klang auf dem Fundament der tiefen Basstöne erklingen.

Weiter ging es mit fünf Beiträgen aus der Q1. Der erste stammte von Inga von der Stein und Karen Mertens, die den bewegenden Popsong „Someone Like You“ von der britischen Sängerin Adele sang. Trotz Nervosität verlor sie nicht die Professionalität und trug das Stück mit einfühlsamer und entspannter Stimme vor, während Inga sie mit fließenden Bewegungen auf dem Klavier begleitete.

Sie transportierten so die charakteristische Atmosphäre voll Zerbrechlichkeit und gaben dem Stück zugleich eine persönliche Note.

Nun war der Moment gekommen, dem ich mehr mit Skepsis als Vorfreude entgegengesehen hatte. Das Bedauern, das wohl alle Musiker teilen, dass jedes Stück sich im heimischen Wohnzimmer stets besser anzuhören scheint als vor einer Masse von Menschen, erfüllte meine Gedanken, während ich meinen Weg durch die Reihen bahnte. Ein letzter Fluch auf meine Nervosität, ein letzter tiefer Atemzug und dann der erste Ton, die Welt in schwarz und weiß, das vertraute Knacken des Pedals, die Zeit, die vorbeirauscht, bis der Schlussakkord die Luft erfüllt. Die Erleichterung, wenn er wirklich in E-moll ertönt und nicht versehentlich in G-Dur. Und schließlich der Moment, in dem man sich wieder umdreht, in der Hoffnung, sein Publikum nicht eingeschlafen zu erblicken.

Im Folgenden wurde dem Publikum die besondere Ehre zu, der Uraufführung der adäquaten Oberstimme einer Eigenkomposition von Jan Masthoff beizuwohnen, die er, wie er verlauten ließ, ganz spontan hinzukomponiert hatte, nachdem seine Violine kurzfristig abgesprungen war. Ausdrucksstark trug er das fantasievolle Stück am Klavier vor.

Das Violinkonzert in 3 Sätzen von Vivaldi, vorgetragen von Marie Goßner und Felice Tavera an den Violinen und begleitet von Ludwig Goßner am Klavier, stand als Nächstes auf dem Programm. Leidenschaftlich und ausdrucksvoll interpretierten sie den ersten Satz, sanft und wehmütig den Zweiten und im Kontrast dazu erklang schnell und temperamentvoll der Dritte. Beide Mädchen spielten virtuos und hochkonzentriert und ergänzten sich dabei perfekt.

Den dramatischen Klang der Geigen kontrastierend spielte nun Max Lehmann mit seiner üblichen gelassenen Professionalität eine Sonate von Domenico Scarlatti, eine Etude von Heitor Villa-Labos, sowie eine Toccata von Radames Gnattali und legte damit die Vermutung nahe, seine Stücke aus dem Grunde ausgesucht zu haben, Herrn Burger, der eine gewisse Schwäche im Aussprechen schwieriger Namen zu haben scheint, zu ärgern.

Max interpretierte die drei Stücke gefühlvoll und lebendig, meisterte blitzschnelle Läufe und Triller und setzte überzeugende Akzente, schien Begleitung und Melodie zugleich zu spielen und bewies eine für den Laien unbegreifliche Treffsicherheit der linken Hand. Der sanfte Ausklang seines Spiels hinterließ eine schwirrende, träumerische Stimmung und ein jeder fragte sich wohl, wo all die Bescheidenheit dieses jungen Mann herkomme.

Völlig durchbrochen wurde diese Stimmung nun von einer Band, die sich aus Schülern der 13. Jahrgangsstufe zusammensetzte. Vanessa Pienta, Robin Stirl, Antonius von Schlabrendorff, Robert Schmidt und Alexander Schütz präsentierten in der konventionellen Besetzung einer Rockband zwei Eigenkompositionen sowie „Denkmal“ von Wir Sind Helden. Im Vordergrund stand dabei Vanessas leidenschaftlicher Gesang. Der gefühlvolle „Song zum Weinen“ bildete den Abschluss des Konzerts.

Das Konzert war ein Abend voller Kontraste und Widersprüche, voll verschiedener Interpretationen von Kunst, aber vor allem eine Möglichkeit für all jene, die viel zu selten ihre Musik über die Schwelle des heimischen Wohnzimmers hinaustragen, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Alle jedoch, die sich auf das traditionelle, reichhaltige Getränkebuffet gefreut hatten, gingen leer aus.

Bericht von Iris Proff, Fotos von Stefan Hamburger

Anmerkung des Homepage-Teams
Die Verfasserin des eingehenden und unterhaltsamen Konzertberichts erwähnt nur ganz am Rande ihren eigenen Auftritt am Klavier, was uns veranlasst, auch ihren Vortrag mit ein paar Worten zu würdigen. Ihr erstes Stück, der nicht einfach zu spielende Song „Englishman in New York“ von Sting, war noch ein wenig von Nervosität gefärbt. Aber die ließ Iris Proff ganz hinter sich, als sie „Your Song“ von Sting vortrug und spontan auch noch sehr überzeugend die Singstimme übernahm. Ihre Mitstreiterin, die eigentlich hätte singen sollen, war kurzfristig wegen Halsschmerzen ausgefallen. Ebenfalls bravourös interpretierte sie danach „He’s a Pirat“ von Klaus Badelt, um dann wieder an ihren Notizenblock zurückzukehren. Vielen Dank an Iris, dass sie trotz ihres eigenen Auftritts den Artikel für die AMG-Homepage verfasst hat.

Alice Schopp